52-kWh-Akku und Vollgas auf der Autobahn – wie weit kommt der neue ID. Polo wirklich?

Kleiner Akku, kleines Auto – also hauptsächlich Stadtverkehr und Kurzstrecke? Von wegen!

Wir haben den neuen ID. Polo Launch-Edition in der Style-Ausstattung mit 52-kWh-Akku und 211 PS auf eine spontane Tour nach Frankfurt geschickt. Am Ende standen 565 Kilometer auf dem Tacho.

Und weil „Hypermiling“ bei uns bekanntlich aus dem Wortschatz gestrichen wurde, durfte der Kleine auf der Autobahn auch zeigen, was wirklich in ihm steckt.

Ein Wochenende mit dem neuen ID. Polo

Unsere Freunde vom Autohaus Wentorf & Schenkhut (Grüße gehen raus an Oliver Waldmann und Benjamin Mayrhoffer) haben uns fürs Wochenende den neuen ID. Polo Launch Edition in der Style-Ausstattung zum Testen zur Verfügung gestellt.

Und wie es der Zufall wollte, hatten wir am Samstag spontan einen Termin in Frankfurt am Main.

Perfekt!

Denn statt einer künstlich geplanten Verbrauchsrunde konnten wir den ID. Polo genau so testen, wie ein Elektroauto im Alltag funktionieren muss: zuhause laden, einsteigen, Ziel ins Navi und los.

Unser Testwagen verfügt dabei über den „kleinen“ 52-kWh-Akku. Gerade deshalb war die Tour für uns besonders interessant.

Denn die entscheidende Frage lautete:

Wie weit kommt man mit 52 kWh auf der Autobahn, wenn man nicht versucht, möglichst sparsam zu fahren?

100 Prozent – und Feuer frei!

Vor der Abfahrt wurde der ID. Polo zuhause auf 100 Prozent geladen.

Und wer uns kennt, weiß: Mit 90 km/h hinter einem Lkw herfahren, um anschließend irgendeinen sensationellen Verbrauchswert präsentieren zu können, ist nicht so unser Ding.

Wo Tempolimits gelten, werden sie natürlich eingehalten. Wo die Autobahn frei war und der Verkehr es zuließ, hieß es dagegen:

Pedal to the metal und Feuer frei!

Wobei der Spaß beim 211 PS starken ID. Polo bei 162 km/h endet. Mehr lässt die elektronische Begrenzung nicht zu.

Klingt zunächst vielleicht etwas wenig – entpuppt sich auf längeren Autobahnetappen aber als ziemlich entspannte Reisegeschwindigkeit.

Gut 200 Kilometer bis zum ersten Ladestopp

Nach gut 200 Kilometern Autobahn erreichten wir unseren ersten Ladestopp bei IONITY Reinhardshain Nord.

Rest im Akku: 20 Prozent.

Und genau dieser Wert ist interessant.

Wir waren schließlich nicht mit Samthandschuhen unterwegs, sondern haben den ID. Polo dort, wo es möglich war, durchaus laufen lassen. Trotzdem waren mit dem kleinen 52-kWh-Akku gut 200 Autobahnkilometer drin – und es befand sich noch ein ordentlicher Puffer im Akku.

In Reinhardshain haben wir anschließend 25,52 kWh nachgeladen.

Dabei ging es uns nicht darum, möglichst voll weiterzufahren. Wir haben lediglich so viel Energie mitgenommen, dass wir Frankfurt erreichen und von dort wieder zurück bis Reinhardshain kommen würden.

Warum länger an der Ladesäule stehen als nötig?

Willkommen in Mainhattan

In Frankfurt angekommen, musste natürlich noch ein kurzer Zwischenstopp sein.

Blauer ID. Polo, strahlender Sonnenschein, ein herrlicher Herbsttag und die Frankfurter Skyline im Hintergrund – diese Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen.

Also kurz ans Mainufer, den Kleinen vor „Mainhattan“ positioniert und ein paar Fotos gemacht.

Und gerade hier zeigte der ID. Polo eine ganz andere Seite seiner Persönlichkeit.

Nach der schnellen Autobahnetappe plötzlich mitten im Frankfurter Stadtverkehr? Überhaupt kein Problem.

Kompakte Abmessungen, enorme Wendigkeit und dazu Funktionen wie One Pedal Driving und Ampelerkennung – in der Großstadt macht der Kleine richtig Spaß.

Aber viel Zeit für Sightseeing blieb nicht.

Fotos im Kasten? Dann wieder rauf auf die Autobahn!

Nach 362 Kilometern: 19,3 kWh/100 km

Auf dem Rückweg führte uns die Route wieder nach Reinhardshain – diesmal natürlich zu IONITY Reinhardshain Süd.

Zu diesem Zeitpunkt standen insgesamt 362 Kilometer auf dem Tageskilometerzähler.

Der Durchschnittsverbrauch?

19,3 kWh/100 km.

Noch einmal zur Einordnung: Das war keine auf Effizienz optimierte Testfahrt. Wo die Verkehrssituation es zugelassen hat, waren wir zügig unterwegs – teilweise bis zur Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h.

Unter diesen Voraussetzungen können sich die 19,3 kWh/100 km unserer Meinung nach absolut sehen lassen.

In Reinhardshain Süd wurden weitere 31 kWh nachgeladen.

Und weiter ging’s Richtung Heimat.

Letzter Ladestopp bei Kilometer 522

Bei IONITY Nörten-Hardenberg legten wir schließlich noch einen letzten kurzen Ladestopp ein.

Der Kilometerzähler zeigte inzwischen 522 Kilometer, im Akku waren bei der Ankunft noch 9 Prozent.

Wir hätten natürlich nur die Energiemenge für die restliche Strecke nachladen können. Da wir aber gerne mit ordentlich Strom im Akku zuhause ankommen wollten, durfte der ID. Polo hier noch einmal etwas länger am HPC bleiben.

36,59 kWh wanderten in den Akku.

Damit war mehr als genug Puffer für die letzten Kilometer vorhanden.

565 Kilometer später …

Zuhause angekommen lieferte der Bordcomputer schließlich die Bilanz unseres spontanen Frankfurt-Trips:

565 Kilometer Gesamtdistanz
5:50 Stunden reine Fahrzeit
97 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
19,0 kWh/100 km Durchschnittsverbrauch

Gerade die Kombination aus 97 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit und 19,0 kWh/100 km finden wir bemerkenswert.

Denn die Durchschnittsgeschwindigkeit zeigt ziemlich deutlich, dass wir den ID. Polo nicht durch die Gegend getragen haben.

Rechnerisch entsprechen 19,0 kWh/100 km auf 565 Kilometern rund 107 kWh Energieverbrauch über die gesamte Tour.

Aber wie weit kommt er denn nun mit 52 kWh?

Genau hier wird es interessant.

Nimmt man unseren real gefahrenen Durchschnittsverbrauch von 19,0 kWh/100 km als Grundlage, ergeben sich mit 52 kWh rechnerisch rund 274 Kilometer von 100 auf 0 Prozent.

Natürlich ist das ein theoretischer Wert – niemand plant eine Autobahnetappe ernsthaft bis 0 Prozent.

Für eine entspannte Langstreckenplanung ist deshalb beispielsweise das Fenster von 100 auf 10 Prozent wesentlich interessanter. Rechnerisch wären unter unseren Testbedingungen damit ungefähr 246 Kilometer möglich.

Und unsere erste Etappe bestätigt ziemlich gut, dass diese Größenordnung realistisch ist: Nach gut 200 Kilometern kamen wir mit noch rund 20 Prozent Restakku in Reinhardshain an.

Und das eben ohne Hypermiling.

Erstaunlich erwachsen auf der Autobahn

Fast noch wichtiger als die reinen Zahlen ist allerdings, wie sich der ID. Polo auf einer solchen Tour fährt.

Und hier hat uns der Kleine wirklich überzeugt.

Auch nach mehreren Stunden auf der Autobahn fühlt er sich nicht wie ein klassischer Kleinwagen an, den man eigentlich lieber nur für kurze Strecken einsetzen möchte.

Das Fahrverhalten wirkt souverän und gerade die Assistenzsysteme sind auf längeren Autobahnetappen ein echter Segen.

Tempo setzen, Assistenten arbeiten lassen und Kilometer machen.

Genau so soll Elektromobilität funktionieren.

Natürlich hätten wir gegen ein paar km/h mehr Höchstgeschwindigkeit nichts einzuwenden.

Aber ganz ernsthaft: Mit 162 km/h lässt es sich ziemlich entspannt reisen.

IDC-Fazit: Kleiner Akku? Ja. Reines Stadtauto? Ganz sicher nicht!

Nach 565 Kilometern an einem Tag steht für uns vor allem eines fest:

Man sollte den ID. Polo mit seinem 52-kWh-Akku nicht unterschätzen.

Natürlich ist das kein ID.7 mit riesigem Akku und maximalem Langstreckenfokus. Das will der ID. Polo aber auch überhaupt nicht sein.

Viel entscheidender ist, wie unkompliziert sich selbst eine solche spontane Tour mit dem kleinen Akku fahren lässt.

Wir mussten weder schleichen noch unsere Fahrweise dem Auto unterordnen. Im Gegenteil: Wo es möglich war, durfte der ID. Polo ordentlich laufen.

Und trotzdem standen am Ende nur 19,0 kWh/100 km im Display.

Dazu kommt eine Kombination, die den Kleinen ziemlich universell macht: Auf der Autobahn sorgen Fahrkomfort und Assistenzsysteme für entspanntes Reisen – und sobald es mitten hinein in die Großstadt geht, spielt der ID. Polo mit seinen kompakten Abmessungen, One Pedal Driving und Ampelerkennung seine nächsten Trümpfe aus.

52-kWh-Akku. 211 PS. 565 Kilometer an einem Tag.

Autobahn? Kann er.
Großstadt? Kann er.
Langstrecke mit kleinem Akku? Offensichtlich auch.

Unser Fazit: Der ID. Polo fühlt sich auf der linken Spur genauso wohl wie mitten im Frankfurter Stadtverkehr – und macht aus einer 565-Kilometer-Tour eine erstaunlich entspannte Angelegenheit.

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